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NachhaltigkeitNachhaltigkeit als Chance

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„Zusammen mit den Menschen und der Umwelt“Interview mit Alexander Knauf und Manfred Grundke

Im Gespräch äußern sich die beiden Geschäftsführenden Gesellschafter der Knauf Gruppe zu den Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung, Vertrauen und Transparenz, Innovation, Mitarbeiterförderung und Herausforderungen, heute und in der Zukunft. Alexander Knauf bekleidet seine heutige Tätigkeit seit Januar 2013 und ist zuständig für Finanzen und Controlling, Recht und Steuern, Informationsverarbeitung, Materialwirtschaft und Marketing. Manfred Grundkes Verantwortungsbereiche sind die Produktionstechnik, Forschung und Entwicklung, technische Produktunterstützung, Rohstoffsicherung und technische Gipse.

Nachhaltigkeit ist eine grosse ChanceInterview mit Alexander Knauf

Was verstehen Sie unter dem Begriff der „unternehmerischen Verantwortung“?

Alexander Knauf: Knauf ist nicht irgendein Unternehmen, sondern eine besondere Art von Unternehmen – ein Familienunternehmen. Als solches denken wir nicht in kurzfristigen Maßstäben, sondern von Generation zu Generation. Dadurch ist ein langfristiges Denken in allem, was wir tun, inbegriffen. Dazu gehört ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, und zwar allen Ressourcen. Das kann der Umgang mit der Umwelt sein, der Umgang mit der Ressource Zeit – also unseren Mitarbeitern –, aber auch mit Kapital.

Manfred Grundke: Nachhaltigkeit ist für ein Familienunternehmen keine besondere Herausforderung. Nachhaltigkeit gehört zum Selbstverständnis eines Familienunternehmens, denn während eine Kapitalgesellschaft sich im Wesentlichen an der Rendite des eingesetzten Kapitals orientiert, konzentriert sich ein Familienunternehmen darüber hinaus insbesondere auf die geordnete Übergabe des Vermögens an die nächste Generation. Damit ergibt sich natürlich, dass alle Entscheidungen nachhaltig und nicht kurzfristig orientiert sein müssen.

Nachhaltig können auch die negativen Seiten unternehmerischer Entscheidungen sein. Wie stellen Sie sicher, dass nur die positiven Folgen nachhaltig sind?

Manfred Grundke: Von dieser Perspektive aus gesehen steht Nachhaltigkeit bei Knauf an ganz besonderer Stelle. Denn unsere natürlichen Ressourcen stecken in den Steinbrüchen. Hier legen wir sehr großen Wert auf die Rekultivierung nach der Nutzung. Viele positive Beispiele zeigen, dass schon oft aus einem industriell genutzten Steinbruch später ein regelrechtes Biotop geworden ist. Und wenn Sie auf der anderen Seite die synthetischen Gipse nehmen, dann sehen Sie, dass wir mittlerweile mehrere Millionen Tonnen Rauchgas-Entschwefelungsgips als Sekundärrohstoff verwenden. In den kommenden Jahren werden wir auch zunehmend Recyclingmaterial in den Produktionsprozess zurückführen. Im Idealfall ist es so, dass wir einerseits die Luftreinhaltung unterstützen durch Entschwefelung von Abgasen und am Ende sogar noch den so gewonnenen Gips wieder als Recyclingmaterial in die Wertschöpfungskette zurückführen.

Alexander Knauf: Das sind genau die beiden Punkte. Was sich zunächst als Eingriff in die Natur darstellt, können wir zu einem Vorteil für die Natur wandeln. Ein renaturierter Steinbruch ist ein Biotop mit einer höheren Artenvielfalt als vorher. Wir wollen damit auch zeigen, dass es nicht nur um den Abbau von Ressourcen geht, sondern darum, zusammen mit den Menschen und der Umwelt nachhaltig Erfolg zu haben.

Familienunternehmen gelten allgemein als verlässlich und vertrauenswürdig, gleichzeitig aber auch als nicht sehr transparent. Wie weit würden Sie gehen, um mit Transparenz Vertrauen zu schaffen? Wo ist Ihre Grenze?

Alexander Knauf: Ich glaube, die Trennlinie ist eigentlich recht klar. In unserer Nachhaltigkeitsberichterstattung haben wir klare Kennzahlen gewählt, an denen wir unser Handeln messen wollen. Bei diesen Kennzahlen sind wir klar und transparent. Die Trennlinie bei Familienunternehmen verläuft genau zwischen dem Unternehmen und der Familie. Die Familie ist privat, wie bei jedem von uns.

Manfred Grundke: Man muss auch unterscheiden zwischen dem, was zur Beurteilung des Unternehmens und seines Verhaltens notwendig ist und was der reinen Befriedigung von Neugier dient. Wenn es nur um Neugier und Sensationslust geht, dann sind wir zurückhaltender, ich würde sagen bis zu 100 Prozent. Aber wenn es um die Beurteilung des Unternehmens und seines Verhaltens in der Gesellschaft und in der Umwelt geht, dann kann jeder alle Informationen haben, die dafür notwendig sind.

Knauf ist ein weit verzweigtes Unternehmen, mit zahlreichen Tochter- und Landesgesellschaften, die mitunter sehr autonom handeln. Gleichzeitig haben Sie zentrale Vorgaben wie die Unternehmenswerte. Wie stellen Sie sicher, dass Sie beim Thema Nachhaltigkeit alle an einem Strang ziehen?

Manfred Grundke: Ich glaube, dass jedes kurzfristige Verhalten, das sich nicht an nachhaltigen Parametern orientiert, am Ende des Tages dem Unternehmen mehr schadet als nützt. Wenn ein Unternehmen der Knauf Gruppe meinen sollte, man könne bei der Rohsteingewinnung – ich bleibe mal dabei – Raubbau betreiben, nur um Abbaukosten zu optimieren, bekäme es sehr schnell Schwierigkeiten mit der Gemeinde oder der Region. Wir legen Wert darauf, dass wir zusammen mit den Menschen in den Regionen unser Geschäft betreiben und nicht auf ihre Kosten. Das ist, wenn Sie so wollen, ein selbstregulierender Faktor, weil sich der Betreffende sonst selbst schaden würde.

Alexander Knauf: Unsere Unternehmenswerte sind die beste Art und Weise, den Landesgesellschaften die Aufgaben ins moralische Pflichtenheft zu schreiben. Wir geben ihnen hier mit, wie die DNA von Knauf aussieht und wie sie mit der Umwelt umzugehen haben. Ich denke, so funktioniert das in einem dezentral organisierten Unternehmen am besten.

Inwiefern treibt der Gedanke der Nachhaltigkeit die Innovationstätigkeit bei Knauf?

Alexander Knauf: Ich möchte das einmal mit den drei Schlagworten Anziehen, Behalten und Entwickeln zusammenfassen. Wir legen großen Wert darauf, die besten potenziellen Mitarbeiter für Knauf zu interessieren. Das fängt schon in den Schulen an, wo wir zum Beispiel die MINT-Initiative für die Naturwissenschaften fördern. Unsere Mitarbeiter informieren an Hochschulen und nehmen an Absolventenmessen teil. Viele besonders qualifizierte Absolventen entscheiden sich für ein Familienunternehmen, weil sie hier früher die Ergebnisse ihrer Arbeit sehen können, als wenn sie nur eine Nummer in einem Großkonzern wären. Auch im Rahmen der Mitarbeiterpflege machen wir sehr viel. Dazu gehört der tägliche Umgang, aber vor allem die Anerkennung von Leistung. Bei unserer jährlichen Hauptversammlung ist ein ganz wesentlicher Teil die Ehrung der Jubilare, die dem Unternehmen durch langjährige, kompetente, loyale Mitarbeit die Treue erwiesen haben. Anerkennung von Leistung spielt bei Knauf eine große Rolle. In der Mitarbeiterentwicklung führen wir intensive Gespräche, die dann die Basis sind für eine strukturierte Entwicklung – für Ausbildung und Karriereplanung. Für junge Leute spielt auch die Work-Life-Balance eine große Rolle, die wir bei Knauf gut realisiert haben.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für die Zukunft bei Knauf?

Manfred Grundke: Der Baustoff Gips wird schon seit über 5.000 Jahren erfolgreich eingesetzt, und wir sind – was unser Geschäft betrifft – auch davon überzeugt, dass sich daran nichts ändert. Was Dämmstoffe betrifft, wird trotz der derzeit niedrigen Energiekosten die Frage der Energieeffizienz wieder ein langfristiges Thema sein, für das wir gut aufgestellt sind. Jetzt geht es darum, durch geeignete Mitarbeiterqualifikation die Voraussetzungen für die nächsten 50 oder 60 Jahre einer erfolgreichen Entwicklung zu schaffen. Viele Unternehmen mögen eine ähnliche Strategie haben, aber sie haben nicht die gleichen Mitarbeiter. Es wird eine zentrale Aufgabe sein, genau die richtige Mischung an gut qualifizierten und motivierten Mitarbeitern zu haben, die im Wettbewerb etwas mehr bringen als die anderen.

Wie steht es mit politischen, wirtschaftlichen Risiken? Der Russland-Ukraine-Konflikt wirkt sich doch sicher auch auf Ihr Geschäft aus?

Manfred Grundke: Sicher hat das Auswirkungen. Aber da Knauf immer Wert darauf legt, dass die Wertschöpfung weitestgehend in der Währung erfolgt, in der auch die Fakturierung vorgenommen wird, ist die Auswirkung zwar ärgerlich, aber nur im Rahmen der Wechselkursparitäten wichtig. Uns trifft das nicht so sehr wie Unternehmen, die etwa in einer Hartwährung produzieren und nun in Rubel fakturieren müssen. Uns trifft nur die Wechselkursparität. Damit muss man umgehen können. Die Geschäfte in der Landeswährung laufen relativ ungestört. Der russischen Konjunktur ging es ohnehin schon nicht so gut. So ist es nun mal, wenn man weltweit unterwegs ist.

Wie würden Sie Knauf und seine Produkte in 100 Jahren beschreiben?

Alexander Knauf: Vielleicht muss man sich überlegen: Welche Rahmenbedingungen werden in 100 Jahren anders sein? Ich glaube, dass wir wahrscheinlich deutlich mehr recyceln werden. Wahrscheinlich werden auch unsere Prozesse weniger arbeitsintensiv sein. Man wird Gebäude anders zusammenbauen. Die Prozesse sind mehr automatisiert, die Vorfertigung beim Bauen wird an Bedeutung gewinnen, also machen wir uns Gedanken darüber, wie zum Beispiel modulares Bauen in Zukunft stattfinden kann. Man hat schon mit Zement ein Haus gedruckt! Wir wollen das Apple der Baustoffindustrie sein, der Gesamtlösungsanbieter, der Systemgeber, der Innovationstreiber, wenn es um das moderne Bauen geht. Wir werden weiterhin einen sehr hohen Teil unseres Gewinns in den systematischen Ausbau der Gruppe investieren. Dies wird, neben der Sicherung des Bestandes, in neue Länder oder Standbeine sein.

Manfred Grundke: Knauf hat bisher immer die Fähigkeit nachgewiesen, sich veränderten Umgebungsbedingungen anzupassen. Vielleicht kommen noch zwei, drei andere Geschäftsfelder dazu. Neue Materialien, die in ähnlichen Verfahren oder Prozessschritten hergestellt werden, sind dann ein interessantes Thema. Aber eines ist ziemlich sicher: Wenn wir diese Dynamik und Anpassungsfähigkeit beibehalten, die wir in den letzten 80 Jahren bewiesen haben, wird ein Großteil der Wertschöpfung von Knauf sein.

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